Sonntag, 29. Oktober 2017

Buchhinweis: Berliner Suchbilder von Bettina Klix

Seit einigen Monaten ist ein neues Buch mit Kurzprosa von Bettina Klix erschienen. Wer shomingeki kennt, kennt natürlich auch einige Kostproben ihrer Kurzprosa (die sie neben Filmkritiken) seit 2002 für die Zeitschrift geschrieben hat. Das Buch ist als Book on Demand erschienen  und kann über diese Adresse bestellt werden.


Berliner Suchbilder

Kurzprosa
Bettina Klix
Hardcover
104 Seiten
ISBN-13: 978-3-7448-2040-0
Verlag: Books on Demand

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Filme des Jahres /films of the year 2016 vorläufig



Diese Liste ist provisorisch, da zu viele von mir sehnsüchtig erwartete Filme entweder ohne meine Anwesenheit ihre Premiere feierten - und das auch sehr weit weg- oder die in meinem kleinen Land erst 2017 anlaufen.

This list is incomplete because too much films anticipated by me had their premiere far away from my country or a release date in 2017:

-Voyage of Time Life´s Journey, Terrence Malick
Voyage of Time - The Imax Experience, Terrence Malick
A Death in the Gunj, Konkona Sen Sharma
Hemanta, Anjan Dutt



1. Nie Yin Niang, Hou Hsiao Hsien, Taiwan: 2015







2. Arshinagar, Aparna Sen, India: 2015

                                     


3. Rudolf Thome - Überall Blumen, Serpil Turhan, Deutschland: 2016




4. Oncle Bernard - Antilecon d´Economie, Richard Brouillette, Kanada: 2015




5. Avant les Rues, Chloé Leriche, Kanada: 2016




6. Woorideul, Yoon Ga-Eun, Korea: 2016

7. Kate Plays Christin, Robert Greene, USA: 2016

8. Sully, Clint Eastwood, USA: 2016

9. Kazuko Wa Tsuryo, Yoji Yamada, Japan: 2016

10. Sairat, Nagraj Manjule, India: 2016



wichtigste Entdeckung/Most important discovery:
Le Chat dans le Sac, Gilles Groulx, Kanada: 1964





Freitag, 15. Januar 2016

shomingekiblog: my Films of the year 2015

shomingekiblog: my Films of the year 2015:  1- Knight Of Cups , Terrence Malick, USA: 2015 Terrence Malick´s  third masterpiece in 4 years and also a radical personal film ...

Donnerstag, 19. November 2015

Neue Webadresse von shomingeki

Ab sofort ist die Webseite der Filmzeitschrift shomingeki unter der Adresse: www.shomingeki.org zu erreichen. Geändert hat sich zunächst nichts, ausser dass die provisorische Webseite jetzt eine eigene Domain hat.

Sonntag, 22. März 2015

Shilpo Shahor Shapnalok (Die glücklichsten Menschen der Welt) von Shaheen Dill-Riaz, Bangladesh / Deutschland: 2004





Dhaka ist die Hauptstadt von Bangladesh, dem ärmsten Land der Welt, wo angeblich, einer Umfrage zufolge, die glücklichsten Menschen der Welt leben sollen. Und das erste, was man sieht, ist ein von Verkehrschaos und Abgasen heimgesuchter Moloch. Shaheen Dill-Riaz konzentriert sich vor allem auf vier Personen, drei davon sind ihm sehr vertraut. Da ist seine nur um wenige Jahre ältere Tante Milli, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, Hassan, ein erfolgloser linker Bohemien, der versucht in der heimischen Filmindustrie Fuss zu fassen, Kutti, eine junge Fabrikarbeiterin, die jahrelang als Hausdienerin gearbeitet hat und Russel, ein heranwachsender Schüler, der halbtags Rikscha fährt und von einer Karriere als Filmschauspieler träumt. Das sind Dhaka-Geschichten wo einmal nicht die jährlichen Flutkatastrophen oder die Armut dieses Landes im Mittelpunkt stehen. Ob glücklich oder unglücklich, die Wahrheit liegt oft zwischen  den Extremen.Es geht vor allem um Menschen, die versuchen ihren Platz in der Welt zu finden. 

So wie im Verlauf des Films Orte immer vertrauter werden, so näher kommt man auch den Menschen. Es geht um geographische wie auch um menschliche Landschaften. Dill-Riaz springt zwischen den vier Portraits und je öfter er wieder zu den einzelnen Person zurückkehrt, umso tiefer wird der Einblick in diese Menschenleben. 

Ich muss bei diesen Porträts an einen Satz aus Terence Malicks Meisterwerk The Thin Red Line denken, wo eine Person sich fragt, ob alle menschlichen Seelen nicht Teil einer einzigen umfassenden Seele sind. Hassan, der erfolglose Künstler ist dem jungen Rikschafahrer ähnlicher als den beiden Frauen. Er ist ein Träumer, der es „zu nichts bringt“, was seine Familie ihm auch zu verstehen gibt. Aber immerhin sind es diese Träume, die ihm hinweghelfen über den Zerfall seiner linken Hoffnungen durch die Auflösung der Sowjetunion. Mit dem Bild von Che Guevara auf seinem T-Shirt scheint er den Sogenannten neuen Realitäten trotzen zu wollen. 
Kutti ist 20 Jahre alt. Ihr Vater, der seine Frau betrog, Geld verspielte und trank, trieb ihre Mutter in den Selbstmord. Auf sich allein gestellt, hatte sie in diversen Familien als Hausdienerin gearbeitet, wo sie wie eine Sklavin behandelt wurde. Später entschloss sie sich, eine Stelle in einer Textilfabrik anzunehmen. Jetzt hofft sie genug Geld zu sparen, um einen kleinen Laden aufzumachen. Sie macht einen verbitterten Eindruck und ihr Traum von Glück und Liebe ist kaum auszumachen. Das einzige, was sie sich gönnt, ist manchmal eine Bootsfahrt, wo sie der Enge und dem Lärm der Stadt entflieht. 
Milli, die Geschäftsfrau, und die wohlhabendste der vier Personen, lebt in einer sehr edel eingerichteten Wohnung. Ausgerechnet diese Kleinbürgerin hat neben Kutti den ergreifendsten Moment des Films. In einem langen Interview erzählt sie ihrem Neffen Dill-Riaz die Geschichte ihrer unglücklichen Jugendliebe, die von ihrer Familie verhindert wurde. Stattdessen hat man sie mit einem 20 Jahre älteren Mann verheiratet, der ähnlich wie Kuttis Vater trank, spielte und sogar handgreiflich wurde. Milli hat sich gewehrt und schließlich ihren Mann verlassen - allerdings um den Preis, dass sie ihre Kinder nicht wiedersehen kann.  Diese Szene ist besonders lang. Es ist fast nur Millis Gesicht zu sehen und ihre Erzählung erscheint so intensiv wie ein langes trauriges Lied. 

Je intensiver der Blick auf diese vier Personen wird, je mehr bekommt der Film etwas traumwandlerisches. Milli, Kutti, Hassan und Russel sind authentische Personen. Durch den Rhytmus des Films, der wie in einer Kreisbewegung immer wieder zu den einzelnen Menschen zurückkehrt, scheinen ihre Seelen sich zu verschmelzen mit der des Filmenden. Durch diese Intensität des Blicks scheinen sie auch zu Spiegelungen oder zu möglichen Variationen seines eigenen Schicksals zu werden. Da meine ich eine ganz besondere Vorstellungskraft im Kino, sich mit anderen Menschen auseinanderzusetzen, die immer androgyn ist. So ist Milli nicht nur eine nahe Verwandte des Filmemachers, sondern anhand von ihrem Porträt wird auch der Unterschied des einen Chromosomens deutlich, der es Shaheen Dill Riaz ermöglicht hat, in Deutschland Film zu studieren. Milli hätte man das niemals erlaubt. Kutti, die ebenfalls aus einer eher wohlhabenden Familie stammt, repräsentiert hier den schlimmsten Fall, den Absturz in die Armut durch das Versagen der Familie. Hassan, der Träumer, ist wie Dill-Riaz ein Künstler, allerdings mit deutlich weniger Glück als der Filmemacher. Auf seltsame Weise bekommt dieser Film einen autobiographischen Akzent. 

Shilpo Shahor Shapnalok ist ein Dokumentarfilm, aus dessen vorgegebenen Wirklichkeiten aber schon Elemente der Fiktion entstehen. In dem, was man wahrnimmt, ist auch immer der Versuch „seinen Platz im Universum“ zu definieren. Da ist der Film von Shaheen Dill-Riaz in seinem filmischen Blick sehr nah an der Situation des Betrachters im Kino, über dessen Beziehungen zu den gezeigten Personen sich eine zur Welt definiert. 

Rüdiger Tomczak 


(Erstveröffentlichung, shomingeki Nr. 16, Sommer 2005)
Vor kurzem habe ich den Film nach sehr langer Zeit wiedergesehen und was mir besonders auffiel, waren die Lieder von Suman Kabir, ein Bengalischer Liedermacher der so etwas wie eine lebende Legende ist. Den Untertiteln zufolge handelt es sich hier um autobiografische Lieder.








Donnerstag, 1. Januar 2015

shomingekiblog: My films of the year 2014

shomingekiblog: My films of the year 2014: T op 10 2014 (releases) 1. Kaze Tachinu (The Wind is Rising), Hayao Miyazaki, Japan: 2013 2.Chiisai Ouchi (The Little House), Yoji...

Montag, 8. Dezember 2014

Buchhinweis: Gelegenheiten von Bettina Klix



Bereits im August ist ein sehr schönes Buch von Bettina Klix erschienen. Es heißt Gelegenheiten und ist im Verlag “Edition Nachtgänge” erschienen. Es handelt sich hier um eine Sammlung von Kurzprosa. Einige Texte werden shomingeki-Leser sicher kennen, unter anderem einen kurzen und sehr pointierten  Text über Michelangelo Antonionis Blow Up.
Die einzelnen Texte erzählen von Erinnerungen und manchmal auch von ganz alltäglichen Ereignissen. In einer Erzählung von einem Porträtfotografen weiss man nicht mehr so genau, ob man gerade träumt oder liest. Erinnerungen an Filme, deren Titel fast ein Geheimnis bleibt, da sie fast gänzlich Teil einer menschlichen Erinnerung geworden sind.
Manche Texte sind gerade mal einen Abschnitt lang, andere erstrecken sich über mehrere Seiten. Man lernt wieder auf Dinge zu achten, die zu oft verloren gehen. Das gilt übrigens auch für ihr schönes Buch über Paul Schrader, Verlorene Söhne, Töchter, Väter, immerhin über einen Regisseur, der mich nie sonderlich interessiert hat und wo ich beim Lesen des Buches richtig Lust gehabt habe, mir den einen oder anderen Film noch einmal anzusehen – besser gesagt – Paul Schrader noch einmal neu für mich zu entdecken.

Rüdiger Tomczak

Das Buch kann über folgenden Link bestellt werden

Gelegenheiten, Bettina Klix, EditionNachtgänge, 64 Seiten, 9 Euro


andere Bücher von Bettina Klix
Tiefenrausch, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main, 1986
Sehen, Sprechen, Gehen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 1993
Willkommen im Wunderland, allgirls Galerie Berlin 2008
mit Fotos von Christine Kriegerowski
Paul Schrader – Verlorene Söhne, Töchter, Väter Verbrecher verlag, Berlin 2010
Rapture Of The Depths (übers. Von Eric Miller) Ekstasis Editions Victoria (Kanada) 2011