Dienstag, 8. Januar 2013

Die zufällige Entdeckung eines neuen Lieblingsregisseurs: Robert Mulligan



Eigentlich kannte ich bisher von Robert Mulligan nur To Kill A Mockingbird. In der letzten Ausgabe von shomingeki gibt es übrigens einen schönen Text von Peter Nau zu The Nickel Ride von Robert Mulligan (den ich mir heute als DVD bestellt habe). Was zu The Tree of Life von Terrence Malick (der Titelstory sozusagen)passen würde, hatte mich Peter Nau damals gefragt. Na ja, antwortete ich spontan würde ich Malick´s Film so zwischen Tarkovsky un diesen wunderbaren To Kill A Mockingbird ansiedeln. So kamen wir dann auf The Nickel Ride und Mulligan.

Vor ein paar Tagen - welch seltsame Koinzidenz - war es ein Tweet von Adrian Martin (der mit Great Events and ordinary people wohl einen der wichtigsten Texte über The Tree of Life veröffentlicht hat), der mich auf einen mir bisher unbekannten Film von Mulligan The Man in the Moon aufmerksam machte, da er ihn - ich weiss nicht mehr so genau wie - mit Malick´s Film in Verbindung gebracht hat. Gut, so habe ich den Film also im Internet gesucht, er schien mir interessant und wurde prompt bestellt.
Das war dann auch Liebe auf den ersten Blick und diese wunderbare Coming-of-Age-Geschichte hat nicht nur was mit dem 20 Jahre später entstandenen Film von Terrence Malick zu tun, sondern ebenso mit Jean Renoirs The River und mit einem nahezu unbekannten Meisterwerk under den Coming-of-Ages-Filmen zu tun: Thuong Nho Dong Que, des Vietnamesen Dang Nhat Minh.

Das ist sozusagen eine mehrfache Freude, einmal diesen wunderschönen The Man in the Moon (Mulligans letzter Film übrigens von 1991) entedeckt zu haben, mich noch einmal bestätigt zu fühlen welch unermessliches Potential in dem von mir geliebten und von vielen anderen verhöhnten The Tree of Life steckt - und schliesslich habe ich endlich dieses Missing-Link zwischen Renoirs The River und eben Malick´s Film in einem Film von Robert Mulligan gefunden. 
 Dann war mein Vergleich mit Tarkovsky wohl doch nicht so glücklich, und ich muss wieder an meine muslimischen Freund in Bombay denken, der Malick mit einem Sufi-Poeten verglichen hat. Und Sufi, jene wunderbare Bewegung die den Glauben an Gott und die Liebe zum Leben nicht gegen einanderstellt, da haben die Filme von Jean Renoir, Robert Mulligan, Dang Nhat Minh und Terrence Malick wirklich etwas gemeinsam.

Rüdiger Tomczak